Unter den Linden

Unter den Linden –
oder bald unter den Palmen?

Berlin und seine Bäume – das ist eine lange Geschichte. Wir denken dabei an Friedrich den Großen, der schon früh persönlichen Einfluss auf die Entwicklung der Forstwirtschaft und die Verbesserung des Waldzustands nahm. Auch Peter Joseph Lenné spielte eine große Rolle: Er brachte viele neue exotische Arten nach Berlin, darunter auch die ersten Götterbäume in Parks und Gärten (muss ich ja erwähnen 😉). Doch heute beschäftigen wir uns mit unseren Linden.

Unter den häufigsten Baumgattungen in Berlin (Stand 2024) machen Linden (Tilia) rund 34 % aus, gefolgt von Ahorn (21 %) und Eiche (9 %). Berlin ohne Linden – unvorstellbar! Besonders verbreitet sind die Winterlinde (Tilia cordata), weniger die Sommerlinde (Tilia platyphyllos), beides endemische Arten, die bis zu 1.000 Jahre alt werden können. Leider geraten die Bäume durch den Klimawandel zunehmend unter Druck. die Stadt muss dafür sorgen, dass ihre Linden auch in Zukunft stehen.

Seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1881 ist die durchschnittliche Jahresmitteltemperatur in Berlin um etwa 1,3 °C gestiegen. Bis Ende des 21. Jahrhunderts wird ein weiterer Anstieg um +2,9 bis +3,7 °C erwartet. Besonders gefährlich sind dabei Extremwetter wie langanhaltende Trockenheit, Hitzeperioden (gut sichtbar schon heute an den Baumkronen) oder Stürme. Sie machen Linden und andere Bäume anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Ein Beispiel ist das Stigmina-Triebsterben, ein Schwächeparasit, der vor allem Winterlinden befällt – während die Silberlinde (Tilia tomentosa) widerstandsfähiger bleibt.

So könnte die Zukunft also eher „Unter den Silberlinden“ heißen. Die Silberlinde stammt ursprünglich aus Südosteuropa und Kleinasien und ist deutlich besser an ein wärmeres Klima angepasst. Wie aber steht es um die Lage Unter den Linden?

Das Problem unseres Boulevards sind die baulichen Bedingungen: Der Zustand der Straße ist ein Flickenteppich – mal gut saniert, mal gar nicht. Viele Bäume haben zu wenig Platz und zu schlechte Bewässerung. Zudem wurden in den vergangenen Jahrzehnten unterschiedliche Lindenarten gepflanzt. Künftig jedoch sollen ausschließlich Silberlinden stehen. Einige von ihnen gibt es bereits heute, auch wenn sie auch teilweise unter mangelnder Bewässerung leiden.

Ein Beispiel für die Zukunft ist der Abschnitt vor dem Hotel Adlon, der 2003 neugestaltet wurde. Eine neue Planung für den gesamten Boulevard liegt bereits seit 2023 vor (siehe Link unten). Laut Medien sollten die Arbeiten schon 2025 beginnen – offenbar wird es aber noch länger dauern. Geplant ist, 84 Linden zu fällen und durch neue Silberlinden zu ersetzen. Insgesamt wird es sogar mehr Linden geben als früher. Bis dahin aber müssen wir uns auf Baustellen und junge, noch kleine Bäume einstellen.

Eines steht fest: Palmen oder Zypressen wird es auf Berlins Prachtboulevard so schnell nicht geben.

Unter den Linden (Planung): https://www.berlin.de/sen/uvk/mobilitaet-und-verkehr/infrastruktur/strassenbau/unter-den-linden/

https://www.berlin.de/sen/uvk/natur-und-gruen/stadtgruen/daten-und-fakten

https://www.berlin.de/sen/uvk/klimaschutz/anpassung-an-den-klimawandel/auswirkungen-des-klimawandels

Pascal Jeanrenaud, September 2025

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