Noch einmal Wasser und mehr

Noch einmal Wasser und mehr

Wasser erfrischt, klingt plätschernd schön, lässt Leben entstehen. Wasser erschreckt, rauscht bedrohlich, tötet. All das lässt sich in der 

kleinen Ausstellung „On Water WasserWissen in Berlin“ im Humboldt Labor des Humboldt Forums erfahren.

Stadt, Land, Fluss, Meer und Badewanne – überall finden wir Wasser. Noch. Wasserknappheit ist keine Utopie mehr. Gleichzeitig kommt es an manchen Orten zu Hochwassern, zu zerstörerischen Flutwellen. Wie kompliziert das Wasser ist, wie wir unsere Kenntnisse über Wasser bündeln müssen und wie wir dem Wasser gerecht werden können, zeigen in der Ausstellung ausgewählte Forschungsprojekte der Berlin University Alliance – des Exzellenzverbundes  von Freier Universität Berlin, Humboldt-Universität zu Berlin, Technischer Universität Berlin und Charité – Universitätsmedizin Berlin. Diese Forschungsprojekte werden durch O-Töne der Forschenden selbst ergänzt.

Weniger katastrophisch, aber im Falle einer Katastrophe ein wahrer Schatz: die alten Schwengelpumpen, die Plumpen, wie man früher sagte, die uns so selbstverständlich im Stadtbild erscheinen. In vielen anderen Städten wurden sie entfernt. Wir haben sie für den Notfall. Bei einem infrastrukturellen Systemversagen im Katastrophen- und Verteidigungsfall (von dem jetzt öfter schon die Rede ist) versorgen sie die Menschen mit Wasser – ganz ohne Strom, mit reiner Muskelkraft. Trinkwasserqualität hat es aber nicht und erhält es wohl nur durch Desinfektionstabletten. Damit die Pumpen im Schwung bleiben, ruhig einmal bedienen, wenn Ihr an einer vorbeikommt. So unterstützt Ihr die Berliner Wasserwerke. Sie haben seit April 2025 die Aufgabe, die ober- wie unterirdischen Teile der über 2000 „leitungsungebundenen Trinkwassernotbrunnen“, wie es im Fachjargon heißt, zu warten. Näheres hier.

Regenwassermanagement und Schwammstadt-Idee, worüber wir schon berichtet haben, sollen dem sinkenden Grundwasserspiegel entgegenwirken. Was alles dazugehört, zeigt die Darstellung oben der Berliner Regenwasseragentur. Praktischerweise liefert sie auch die englischen Fachbegriffe, falls Ihr auf die verrückte Idee kommen solltet, darüber auf einer Führung mit ausländischen Gästen zu sprechen. Ich sage bewusst „verrückt“, denn der Klimawandel/die Klimakrise ist inzwischen ja ein hochpolitisiertes Thema, an dem sich so mancher lieber nicht die Finger verbrennt. Oder vielleicht auch persönlich nicht für wichtig hält. Aus Sicht der Klima-AG ist das natürlich schade. Fährt man z.B. am durchwühlten Marx-Engels-Forum vorbei (s. auch 4. Info zum Spreeufer), lassen sich Fakten nüchtern, ohne missionarische Attitude einbringen.

Wenn die Flüsse aufwärts oder gar nicht fließen
Brandenburg ist das grundwasserärmste Bundesland in Deutschland. Und das trotz der vielen Seen, denn das meiste Wasser befindet sich nicht an der Oberfläche, sondern im Grund. Ab dem Müggelsee gen Südosten wird es immer trockener. Die  Nutzungskonflikte zwischen Trinkwasserversorgung, Industrie, Landwirtschaft und Tourismus werden größer.
Was die „Grundwasserdürre“ bedeutet, erklärt Hydrogeologin Prof. Dr. Irina Engelhardt hier; ihr Fazit: „Die fetten Jahre sind vorbei“.
Engelhardt arbeitet im Forschungsprojekt SpreeWasser:N. Über Wasserparkplätze im Boden, „Wasserklau“ und andere Lösungsansätze könnt Ihr hier mehr hören.
Noch ist das Thema bei vielen Menschen nicht angekommen. Erst wenn die Ausflugsdampfer nicht mehr fahren, wird es klarer. Es gibt Prognosen, dass die Spree in Berlin ab 2035 im Sommer trockenfallen könnte.
Der Ausstieg aus dem Kohlebergbau in der Lausitz ist ein Grund für weniger Wasser in der Spree, denn man muss das Wasser aus dem Tagebau nicht mehr abpumpen. Alles ist Wechselwirkung  (Alexander v. Humboldt) und beschäftigt auch das Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) im Forschungsverbund Berlin e.V.; auf deren Website könnt  Ihr unter „Die Spree am Tropf“ viel über „unseren“ Fluss erfahren.

Hilke Gerdes, Oktober 2025

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