Kompromiss Gendarmenmarkt

Kompromiss Gendarmenmarkt

Der schönste Platz Berlins, wie der Gendarmenmarkt gern charakterisiert wird, ist nach gut zwei Jahren Sanierungszeit seit März 2025 zugänglich. Fit für den Klimawandel soll er jetzt sein. Die Erderwärmung lässt sich nicht ausreichend aufhalten, sodass u.a. mit Wetterextremen zu rechnen ist. Also geht es jetzt darum sich anzupassen und widerstandsfähig zu werden. Denn nichts anderes bedeutet Klimaanpassung- und -resilienz. Wenn wir dabei an Maßnahmen wie die Pflanzung von Bäumen oder Entsiegelung von Flächen denken, erstaunt der Anblick des Gendarmenmarktes. Viele Steine, wenig Bäume. Von der „Steinwüste“ war in der Presse kritisch die Rede. Falls Ihr zufällig an einem Donnerstagabend dort einen als Baum verkleideten Mann sehen solltet: über das, was ihn bewegt, berichtete die Berliner Abendschau am 17.5.25 (https://www.rbb-online.de/abendschau/videos/20250517_1930.html).

Das wenige Grün mag überraschen, aber es darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass hier wichtige Maßnahmen für die Klimaanpassung vorgenommen wurden. Stichwort: Regenwasser-Management. Durch das Pflaster wird das Regenwasser über Filteranlagen und Rigolen (unterirdische Auffangbecken) in das Erdreich geleitet und trägt damit zum Erhalt des Grundwasserspiegels bei. Lokale Überschwemmungen werden vermieden.

Im Rahmen der Umbaumaßnahmen wurden rund 14.000 Quadratmeter Natursteinpflaster erneuert. Dass man sich bei Gestaltung der Pflasterung formal an die letzte Sanierung zur DDR-Zeit hielt, die sich wiederum an die von 1936 orientierte, mag unglücklich erscheinen. Aber ein Platz mit Blumenrabatten, Rasen und Fontänen wie um 1900 war aus praktischen Gründen nicht gewünscht. Der Gendarmenmarkt soll, wie in den letzten Jahrzehnten, als Fläche für Veranstaltungen dienen. Deshalb erhielt er ein unterirdisches, rund fünf Kilometer langes Leitungsnetz für Strom, Trink- und Abwasser. 

Einen Trinkbrunnen gibt es übrigens auch.

Es ist hier ein Kompromiss zu sehen zwischen Umwelt und Wirtschaft. „Tourismusnahe Sanierung“ heißt es auf der Website von Grün Berlin, wo Ihr viele weitere Informationen einsehen könnt (s. https://gruen-berlin.de/projekte/urbane-freiraeume/gendarmenmarkt/konzept-zielsetzung). Berlin braucht einen zentralen Platz für attraktive Veranstaltungen und den schönsten Weihnachtsmarkt der Stadt. 

Hilke Gerdes

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