Nachtrag zur Vollversammlung 2026

Von der Vollversammlung 2026 gibt es 2 interessante Berichte, die wir Euch hier gerne zur Verfügung stellen würden.

Gundula Schmidtz-Graute

Kurzbericht von der Vollversammlung am 21. April 2026 in der Gedenkstä@e Berliner Mauer. Details findet Ihr wie immer im Protokoll, das hier sind ein paar Schnipsel:

Wusstet Ihr, dass Stefan es zum diesjährigen WGFT mit vielen begeisterten Russischsprachigen zu tun haFe? Jemand haFe das Programm in eine Telegram-Gruppe gestellt und er bekam Anmeldungen auf Russisch. Gut, dass er mit seinen Bulgarisch-Kenntnissen und einem Übersetzer-Tool die E-Mails beantworten konnte.

Für alle, die zu den Sternen streben und nach dem Basiskurs weitermachen wollen, gibt es jetzt eine „Selbsthilfegruppe Mappe“ auf WhatsApp, wo man sich gegenseiTg unterstützt. Bettina kündigte an, dass die berühmte Mappe durch den BVGD digitalisiert werden soll.
Auch beim Gästeführertag in Monheim gab es einen Workshop zum Thema „Wie komme ich zu den drei Sternen?“.

Seid Ihr instagrammable? Dann fotografiert oder filmt (allerhöchstens 90 Sekunden keine Überlänge!) zu interessanten Themen und/oder Touren, schreibt einen kurzen Text dazu und schickt alles an Lillian info@voila-reiseservice.de. Die füFert damit dann den Verbandseigenen Instagram-Account.

Im Centrum Judaicum haben Mitglieder freien EintriF und dürfen dort auch führen! Im Jüdischen Museum und in der GedenkstäFe Sachsenhausen müssen wir Gebühren zahlen wenn wir mit einer Gruppe hineingehen und auch führen wollen. Der Verband wird sich mit
einer Presseerklärung an die Öffentlichkeit wenden und ein Ende dieser Praxis fordern.

Überall war Gästeführertag

In Monheim, wo ein wichtiges Thema die Scheinselbständigkeit war. Es gab eine Diskussion und eine PräsentaTon, die im internen Bereich der Seite hFp://bvgd.org/ zu sehen ist.

In Fukuoka (Japan), dort war MarTn und hat uns erzählt, dass es in vielen Ländern die gleichen Probleme gibt: Konkurrenz durch „kostenlose“ Angebote, Fragen der Berufsanerkennung (ZerTfizierung und internaTonale Anerkennung eines ZerTfikats); dazu gehört auch eine praxisnahe Ausbildung oder das Imageproblem: Gästeführer gelten
vielerorts als langweilig. Nicht zu vergessen die ethischen Fragen, die auch mit Krieg, PoliTk und Religion zu tun haben: Die schwierige Balance zwischen Neutralität und GleichgülTgkeit.Im Februar 2028 ist das nächste Treffen in Cuzco/Peru.

Gundula Schmidt-Graute
Berlin, April 2026

Martin Januszewski

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

ich möchte Euch heute die wichtigsten Ergebnisse der Tagung der World Federation of Tourist Guide Associations vorstellen, die im Februar 2026 in Fukuoka stattfand und an der über 600 Kolleginnen und Kollegen aus über 50 Ländern teilgenommen haben.

Für Deutschland waren Maren Richter als Mitglied des BVGD-Vorstandes sowie Reidun Alvestad-Aschenbrenner vom Münchner Gästeführerverein als Delegierte dabei, da der MGV direktes Mitglied im WFTGA ist, aber allgemein haben ca. 50 Kollegen (u.a. aus Berlin Christian von Zameck und ich) aus ganz Deutschland den Weg nach Japan gefunden und sich beim Vorprogramm, der Tagung sowie dem Nachprogramm ausgetauscht und Land und Leute bei verschiedenen Ausflügen kennengelernt.

Die bei der Tagung in Fukuoka erarbeiteten Schlussfolgerungen basieren auf neun thematischen Arbeitsgruppen. Trotz unterschiedlicher nationaler Rahmenbedingungen zeigte sich sehr deutlich: Die Herausforderungen unseres Berufs sind weltweit erstaunlich ähnlich.

Dazu zählen vor allem uneinheitliche gesetzliche Regelungen und deren mangelhafte Durchsetzung, illegale und nicht lizenzierte Führungen, eine zunehmend unklare Berufsbezeichnung sowie wachsender Druck durch informelle Anbieter und digitale Inhalte. Hinzu kommen der rasante technologische Wandel, insbesondere durch künstliche Intelligenz, sowie steigende ethische Anforderungen in einem globalisierten Tourismus.

Die Konferenz hat darauf sowohl kurzfristige als auch langfristige Antworten formuliert. Kurzfristig geht es darum, Mindeststandards klar zu definieren, bestehende Zertifizierungssysteme transparenter zu machen und den Dialog mit Behörden zu intensivieren. Langfristig wird ein international anschlussfähiger Rahmen angestrebt, der unseren Beruf stärkt und zugleich Qualität und Verlässlichkeit für die Gäste sichert.

Ein weiterer zentraler Punkt ist unsere berufliche Identität. Wenn nicht klar ist, wer sich „Gästeführer“ nennen darf, leidet das Vertrauen. Deshalb besteht ein klares Ziel darin, den Titel „zertifizierter Gästeführer“ international zu schärfen und zu schützen.

Auch die Ausbildung steht vor einem Wandel. Reines Auswendiglernen genügt nicht mehr. Unsere Gäste erwarten keine Vorträge, sondern Einordnung, Verständnis und Erlebnisse. Gefordert sind praxisnahe Schulungen, kontinuierliche Weiterbildung und die Fähigkeit, Inhalte lebendig zu vermitteln.

Ein besonderes Augenmerk liegt zudem auf der digitalen Entwicklung. Künstliche Intelligenz wird zunehmend zur Konkurrenz, zumindest scheinbar. Tatsächlich aber zeigt sich: Gerade weil digitale Inhalte oft ungenau oder verzerrt sind, wird unsere Rolle als verlässliche, einordnende Instanz wichtiger denn je. Voraussetzung ist allerdings, dass wir uns diese Werkzeuge aneignen und kompetent nutzen.

Auch ethische Fragen rücken stärker in den Mittelpunkt. Themen wie Krieg, Politik oder Religion verlangen klare Haltung und zugleich professionelle Verantwortung. Neutralität darf nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden.

Sehr eindrucksvoll wurde dieser Gedanke beim Besuch in Nagasaki. Dort erinnerte der Überlebende der Atombombe, Seiichiroh Mise, daran, dass Frieden ein gemeinsames Erbe der Menschheit ist.

Am folgenden Tag griff WFTGA-Präsident Sebastian Frankenberger diesen Gedanken auf. In seiner Rede machte er deutlich: Wir erklären nicht nur – wir prägen Wahrnehmung. Und daraus erwächst Verantwortung. Erinnerung allein genügt nicht. Wir müssen Geschichte so vermitteln, dass sie verstanden wird – differenziert, wahrhaftig und mit Blick auf den Menschen.

Ein letzter Punkt, der offen angesprochen wurde: Unser Berufsstand hat vielerorts ein Imageproblem. Gästeführer gelten als „langweilig“. Das ist unbequem, aber nicht von der Hand zu weisen.

Dabei ist die Erwartung unserer Gäste klar: Sie wollen etwas erleben. Reisen soll bereichern, bewegen und in Erinnerung bleiben. Genau hier liegt unsere eigentliche Aufgabe. Nicht das bloße Vermitteln von Fakten, sondern das Gestalten von Erlebnissen.

Wenn wir diesen Anspruch ernst nehmen, dann haben wir trotz aller Herausforderungen eine klare Perspektive: Unser Beruf bleibt unverzichtbar – gerade in einer Zeit, in der Orientierung, Einordnung und persönliche Vermittlung mehr gebraucht werden denn je.

Übrigens … Während der Tagung in Fukuoka wurde auch der Ausrichter der nächsten Tagung auserkoren und bekanntgegeben. Eine Einladung an die Stadtführer aus der ganzen Welt haben Äthiopien, Kasachstan, Malaysia sowie Peru ausgesprochen und sich bestmöglichst im Plenum und vor den Delegierten präsentiert. Den Zuschlag erhielt Peru, sodass wir uns schon jetzt auf die nächste Tagung im Frühjahr 2028 in Cusco freuen können.

Ich danke Euch.

Mit kollegialem Gruß  
Martin Januszewski