Neophyt Götterbaum – der Geisterbaum, der die Welt erobert
Wisst ihr, was eine Eiche, eine Buche oder eine Linde ist? Natürlich! Aber wie sieht es mit dem Götterbaum aus? Kaum jemand kennt ihn – dabei gilt er als einer der besten Indikatoren für die fortschreitende Erderwärmung. Für mich war er die spannendste Entdeckung des Jahres 2024.
Er wächst mitten in der Stadt, und doch bleibt er für viele unsichtbar – fast wie ein Geisterbaum. Dabei ist sein Wachstum beeindruckend: Bis zu zwei Meter im ersten Jahr, danach etwa ein Meter pro Jahr.
Schon Ende des 18. Jahrhunderts wurde der Götterbaum als botanische Rarität im Neuen Garten und auf der Pfaueninsel gepflanzt – damals noch ungefährlich, weil die jungen, aber kräftigen Triebe die kalten Winter nicht überstanden. Doch das hat sich geändert. Die Winter sind milder geworden – die Zeit des Götterbaums ist gekommen.
Es gibt so viel über diese sogenannte „Ghettopalme“ zu erzählen. Er ist nur einer von vielen Neophyten. Beobachtet ihn – ihr findet ihn überall in der Stadt! Zum Beispiel an der Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße (beim „Fenster des Gedenkens“, wo Teile der Mauer lagern) oder neben dem Berlin Pavillon am Reichstag.
Lest mehr über ihn, haltet die Augen offen – es gibt viele spannende Berichte und Dokumentationen, auch auf YouTube.
Götterbaum (Ailanthus altissima)
Der Götterbaum stammt ursprünglich aus China und dem nördlichen Vietnam. Es handelt sich um einen schnell wachsenden Baum mit einer dichten, rundlich verzweigten Krone. An günstigen Standorten kann er Höhen von 27 bis über 30 Metern erreichen und bis zu 100 Jahre alt werden.
Seine auffälligen, wechselständig angeordneten, unpaarig gefiederten Blätter sind gestielt und erreichen eine Länge von 40 bis 90 Zentimetern. Zerreibt man die frischen Blätter, verströmen sie einen unangenehm ranzigen Geruch.
Als Neophyten bezeichnet man Pflanzen, die nach dem Jahr 1492 – also seit der Entdeckung Amerikas – durch menschlichen Einfluss in neue Gebiete gelangt sind, in denen sie zuvor nicht heimisch waren. Manche bleiben harmlos, andere – wie der Götterbaum – können invasiv werden: Sie breiten sich unkontrolliert aus und verdrängen heimische Arten. Zuvor eingeschleppte Arten werden als Archäophyten bezeichnet.
Neophyten verbreiten sich nicht auf natürlichem Weg, sondern durch direkte oder indirekte Mithilfe des Menschen. Dabei entwickeln sich nicht alle zu invasiven Arten. Manche, wie der Götterbaum, benötigen sogar Jahrhunderte, bis sie sich unkontrolliert ausbreiten. Und selbst heimische Pflanzenarten können durch veränderte Umweltbedingungen – etwa den Klimawandel – plötzlich invasiv werden.
Pascal Jeanrenaud