Müll sammeln auf Reisen?
Die Berliner WirtschaftssenatorinFranziska Giffey (SPD) und visitBerlin haben am 13.5.2026 das Projekt BerlinPay der Presse vorgestellt.
Schon zuvor hatte ein Boulevardblatt dagegen geschossen mit dem simplifizierten „Jetzt sollen die Touristen in Berlin den Dreck wegräumen“ (Achtung, mit Werbung zu Beginn), aber die von ihr Befragten haben nicht ins gleiche Horn gestoßen. Unterschiedliche Meinungen wurden geäußert, aber keine Empörung. „Let’s go“, wie es eine Befragte sagte. Einfach mal ausprobieren.
Inspiriert ist die Aktion von Kopenhagen, wo es seit zwei Jahren CopenPay gibt. Ein interessanter Bericht von jemanden, der es dort ausprobiert hat, findet sich hier.
In Berlin läuft die Aktion vom 14. Mai bis zum 14. Juni. Sie konzentriert sich auf das Thema Wasser. Auf der Website https://www.visitberlin.de/de/berlinpay sind die 40 Projektpartner angegeben mit ihrem Angebot.
Nehmen wir den „Freischwimmer“ am Kreuzberger Flutgraben als Beispiel. Nach Anmeldung darf man eine Stunde umsonst Kanufahren. Und soll dabei Müll vom Ufer sammeln. Wer einen Sack mit Müll zurückbringt, bekommt einen Gutschein für eine weitere Kanustunde.
Fragen, die ich mir sofort stelle: Wie groß ist der Müllsack, muss ich einen mitbringen oder bekomme ich einen dort, bekomme ich etwas, wenn der Müllsack nur halbvoll ist? Aber das sind zu vernachlässigende Details. Als mitdenkender Mensch würde ich einen mitbringen und sicher hat der Anbieter auch welche vorrätig. Gravierender ist der Einwand: Was passiert, wenn ich absichtlich gar nichts sammle? Mir also einfach nur eine Gratisstunde Kanufahren genehmigen möchte.
Hinsichtlich der Kontrolle hat mich im Artikel über den Selbstversuch in Kopenhagen die Antwort eines Tourguides beeindruckt: „Die dänische Gesellschaft basiert auf Vertrauen.“
Wer will, kann mogeln, muss aber mit seinem Gewissen zurechtkommen.
Auch in Berlin gibt es bei einigen Anbietern Rabatte, wenn man mit dem Fahrrad kommt. Auch hier gilt wohl Vertrauen statt Kontrolle.
Ich konnte aus Zeitgründen nicht alle Anbieter checken, fand aber zufälligerweise unter dem Quatsch Comedy Club kein BerlinPay-Angebot. Aber das kann ein Einzelfall oder Programmfehler sein … Selbst für uns Guides finde ich manches sehr interessant. Wer trotz Hochsaison noch Muße hat in den nächsten vier Wochen, kann sich in Street Art ausprobieren oder endlich einmal zum Eierhäuschen pilgern, u.v.m.
Alleszermalmer können natürlich einwenden, dass das alles nichts bringt, nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist. Auch in Kopenhagen ist es nur ein kleiner Prozentsatz von Touristen, der teilnimmt, und eine vergleichsweise geringe Müllmenge, die gesammelt wird. Aber darum geht es auch gar nicht; es geht wie bei vielem um Bewusstwerdung, Multiplikation und Vernetzung.
Und idealerweise ein Kreislauf, wie ihn sich visitBerlin vorstellt: „Engagement → Wertschätzung → positives Erlebnis → mehr Engagement.“
Hilke Gerdes
Hier noch eine Neuigkeit für die Haus- und Kellerbesitzer unter uns, um zu schauen, ob Haus und Keller hochwassergefährdet sind: