Berlin: Bunt, grün, Vielfalt … und nicht ganz so einfach

Ein persönlicher Gedanke: Dieser Beitrag von Pascal Jeanrenaud erreichte mich (den Webmaster) am 10. Juni 2026. Nur einen Tag später verstarb Pascal plötzlich und völlig unerwartet bei einem Familienbesuch in der Schweiz. Ich betrachte diesen Text (der Pascal voll und ganz widerspiegelt) somit auch als ein Vermächtnis um uns alle für die ihn bewegenden Themen zu sensibilisieren und diese weiterzutragen. Ihm selber ist dies leider nicht mehr vergönnt.

Ein Nachruf auf Pascal Jeanrenaud

Berlin: Bunt, grün, Vielfalt
… und nicht ganz so einfach

3,9 Millionen Einwohner (31.12.2025) sind wir in unserer bunten Stadt – auch wenn das mit den Statistiken so eine Sache ist. Und bunt? Ja klar, Berlin ist die Stadt der Vielfalt. Aber ist Berlin auch die grünste Stadt Europas, wie man oft hört? Da sind wir wieder beim Thema Zahlen und Statistiken.

Wie grün eine Stadt ist, ist auch eine Frage der Größe der Gemeinde in Relation zu ihren Einwohnern. Es gibt kleine Städte wie Paris mit 105 km² (2,1 Millionen Einwohner), aber das „Grand Paris“ ist viel größer, und ein großer Teil der Grünflächen liegt außerhalb des Périphérique (Stadtgrenze). Paris hat so nur etwa 10–15 % Grünfläche. Es gibt Städte im Norden, die deutlich größer sind und so auch grüner. So würden solche Städte sogar vor Berlin stehen (also schwer eine Reihenfolge zu machen): Reykjavik, Helsinki, Oslo, Ljubljana, Kopenhagen, Stockholm, Wien. Aber wie erwähnt: Es hängt davon ab, wie man zählt (ob vielfältige, naturbelassene Natur oder nur Rasen). Auf jeden Fall ist Berlin nicht die grünste Stadt Europas, aber wir stehen sehr gut da. Wichtiger ist, was diese Städte für eine nachhaltige umweltfreundliche Stadt machen, und da sind viele Städte besser als Berlin (viele, sogar Paris, haben große Fortschritte in den letzten Jahren gemacht).

Konkret hat Berlin mit seinen 890 km² etwa 35–40 % Grünflächen (18 % Wald, 12 % öffentliche Grünflächen, 6,5 % Wasserflächen – also „blau“ 😉 – und 4 % Landwirtschaft). Würde man Berlin jedoch nur innerhalb seiner ehemaligen Akzisemauer betrachten, wären wir deutlich weniger grün.

Und wie sieht es mit der Diversität aus? Wenn es um Menschen und Kulturen geht, muss ich eigentlich nichts sagen – wie der Karneval der Kulturen gerne sagt: Er vereint Berliner aus über 180 Nationen in einem farbenfrohen Fest. Ich möchte hier aber von der Diversität in unserer grünen Stadt sprechen.

Und damit komme ich zu einem Thema, das mich oft (ein bisschen, also mit 😉) ärgert: eine Art Greenwashing (light). Wenn Berliner gegen einen Abriss sind (zum Beispiel SEZ oder Jahnstadion) wird es gern wegen der Spatzen (Haussperling – Passer domesticus) gestoppt, da es mit Denkmalschutzgründen oft nicht politisch durchsetzbar ist.

Ja, wir haben einen starken Rückgang des Haussperlings in Berlin: 46 % weniger als im Vorjahr (NABU „Stunde der Wintervögel“ 2026). Die Stadt hat sich stark verändert, da viele verlassene Orte seit der Wende verschwunden sind. Also ja – schützen wir die Spatzen … aber: VIELFALT! Was von Initiatoren und Presse oft kaum erwähnt wird, ist, welche anderen Tier- und Pflanzenarten durch Abrisse bedroht sind (und denen auch keine „5-Sterne-Ersatzunterkünfte“ helfen, wie am Mauerpark). Umso erfreulicher ist es, dass bei der aktuellen Neugestaltung des Mauerparks/Falkplatzes mehr Raum für freie Natur geschaffen wird.

Wie viele Vogelarten leben in Berlin? Seit den ersten ornithologischen Aufzeichnungen wurden in Deutschland 305 Arten gesichtet. In Berlin selbst brüten aktuell 138 Vogelarten regelmäßig, dazu kommen acht unregelmäßig brütende Arten und sieben Neozoen (Tierarten, die durch den Menschen in neue Gebiete gelangen und dort heimisch werden – seit 1492 – Neophyten sind Pflanzen… wie der Götterbaum 😉). 28 % stehen auf der aktuellen Roten Liste als „gefährdet“ bis „extrem selten“. Außerdem sind über die Jahrzehnte 32 Arten in Berlin ausgestorben. 

Also lassen wir unsere Spatzen als Botschafter für die stilleren und unauffälligeren Vogelarten sprechen. Und freuen wir uns über jede „schmutzige“ oder „verlassene“ Ecke in Berlin – und schauen wir (mit unseren Gästen), was dort lebt (nicht nur die Ratte 😉) . 

Es lebe die Vielfalt 🍀 

Pascal Jeanrenaud / Klima AG

Haussperling / Feldsperling: Unterschiede 

Der Haussperling lebt oft in der Stadt. Das Männchen hat einen grauen Kopf und einen schwarzen Fleck am Hals (wie eine Krawatte). Das Weibchen ist einfach braun und hat keinen schwarzen Fleck. Rund 120.000 Brutpaare wurden zuletzt in Berlin gezählt

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet lag in Europa, Asien und Teilen Afrikas.
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Art jedoch in viele andere Regionen eingeführt und ist heute fast auf der ganzen Welt verbreitet. 

 Der Feldsperling lebt eher auf dem Land oder in Parks. Männchen und Weibchen sehen gleich aus. Beide haben eine braune Kappe und einen schwarzen Punkt auf der Wange. Rund 10.000 Brutpaare in Berlin (Kleingärten, Einfamilienhaus-Siedlungen und Industriegebiete).

Interessante Links und Daten über die Haussperling und die Vogelarten in Berlin:

https://berlin.nabu.de/news/2026/36897.html

https://www.orniberlin.de/index.php/berliner-vogelwelt/artenliste

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