Baden im Stadtzentrum
Vor 100 Jahren (genau am 23. Mai 1925) mussten die letzten Flussbadeanstalten in Berlin aufgrund eines Beschlusses des Berliner Magistrats schließen. Damit ging die Ära des innerstädtischen Flussbadens zu Ende. Seitdem besteht ein innerstädtisches Schwimmverbot, das aber aufgrund der oft guten Wasserqualität von heute nicht mehr zeitgemäß ist. Deshalb gab es am 17. Juni 2025 eine schwimmende Demonstration im Spreekanal in der Nähe der Museumsinsel, organisiert von Flussbad Berlin. Weiteres zur Initiative findet sich hier: Fluss Bad Berlin – Startseite.
Ein Schwimmverbot aufgrund schlechter Wasserqualität ist heute nur in bestimmten Fällen nötig, denn wir verfügen über die technischen Möglichkeiten, die aktuelle Badewasserqualität mittels eines Monitoringsystems zu überwachen und sicher einzuschätzen. Damit lässt sich zu jedem Zeitpunkt eine Entscheidung treffen, ob man schwimmen kann oder nicht. Für den Spreekanal in der historischen Mitte Berlins existiert ein solches System bereits.
Hervorgegangen aus der Zusammenarbeit von Fluss Bad Berlin mit dem Kompetenzzentrum Wasser Berlin kann man die aktuelle Wasserqualität unter https://wasserportal01.stadt-berlin.de/messwerte.php?anzeige=karte&thema=gws einsehen.
Die Idee, das Schwimmen in der Innenstadt Berlins zu erlauben, ist weder neu noch unmöglich. Viele Städte in Europa haben schon bewiesen, dass es geht. In Amsterdam, Basel, Bern, Bochum, Halle an der Saale, Hamburg, Kopenhagen, Mülheim an der Ruhr, München, Paris, Prag und Wien können die Bewohner:innen in ihren Flüssen im Stadtzentrum schwimmen. Der Londoner Bürgermeister kündigte an, die Themse innerhalb von 10 Jahren wieder beschwimmbar zu machen.
Auch für Berlin und seinen Tourismus wäre das eine neue Attraktion.
Starkregen und Wassermangel
Der Starkregen vor einiger Zeit hat Berlin und Potsdam knapp über die Marke von 100 Litern Regenwasser pro Quadratmeter gebracht. Doch für einen ausgeglichenen Wasserhaushalt wären 300 im 1. Halbjahr nötig gewesen. Nach den langen Dürreperioden wäre auch das Doppelte gut für Pflanzen und Tiere. Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der TU kommt zu dem Schluss, dass die Entnahme von Spreewasser teurer werden muss, um vor allem Industrie und Gewerbe zum Sparen zu animieren. Wenn das Problem nicht konsequent angegangen werde, seien Verteilungskonflikte und Engpässe absehbar.
Viele Gewässer in Berlin sind von einem hohen Grundwasserstand abhängig, weil in unserer Region wenig Niederschlag fällt. Sie werden durch das Grundwasser gespeist. Seit den 1950er Jahren hat die Grundwasserneubildung um 25 % abgenommen, bis 2040 werden es 40 % weniger sein. Aufgrund der Folgen des Klimawandels ist es umso wichtiger, dass das Wasser von Gewässern, Vegetation, dem Boden und tieferen Schichten aufgenommen und langsam wieder abgegeben wird. Die Natur ist hier der beste „Schwamm“.
Quellen: Wassernetz-Broschuere-01-online.pdf
Aber auch Entsiegelung und Beschattung wären erstrebenswerte Maßnahmen, um auch im Berliner Stadtzentrum das weitere Absterben von Stadtbäumen und die Überhitzung und damit Belastung der BerlinerInnen und unserer BesucherInnen zu vermeiden.
Weitere Infos unter: https://www.bund.net/service/publikationen/detail/publication/wasseratlas-2025-daten-und-fakten-ueber-die-grundlage-allen-lebens/
Karen Pastofski, Juni 2025